Zum Inhalt springen
DoctorBox
Alle Ratgeber-Artikel

Abrechnung

30-Euro-Pauschale für assistierte Telemedizin: So rechnen Apotheken ab

09. Juni 2026Von Julian Maar5 Min. Lesezeit

Seit dem 1. Juli 2026 können Apotheken assistierte Telemedizin mit einer Pauschale abrechnen. Wir erklären Höhe, Degression, Umsatzsteuer, Sonderkennzeichen und den Abrechnungsweg — Schritt für Schritt.

Mit dem Digital-Gesetz wurde die assistierte Telemedizin (aTM) in § 129 Abs. 5h SGB V verankert. Seit dem 1. Juli 2026 erhalten Apotheken für die Unterstützung einer Videosprechstunde bzw. ein strukturiertes Ersteinschätzungsverfahren eine Pauschale. Hier sind die Zahlen und der Ablauf, die Sie für die Abrechnung kennen müssen.

Höhe der Pauschale und Degression

Die Pauschale deckt sowohl die Arbeitsleistung als auch einen Technikanteil ab. Ihre Höhe richtet sich nach dem Datum der Leistungserbringung und sinkt über die Jahre:

ZeitraumPauschale je Leistung
01.07.2026 – 30.06.202730,00 €
01.07.2027 – 30.06.202825,50 €
01.07.2028 – 30.06.202923,00 €
ab 01.07.202921,50 €

Wichtig: Die Vertragspartner gehen übereinstimmend davon aus, dass die Vergütung nicht der Umsatzsteuer unterliegt (Anlage 13 § 10 Abs. 4). Das ist eine gemeinsame Annahme, keine Feststellung der Finanzverwaltung.

Welche Leistungen sind abrechenbar?

Pro Vorgang rechnen Sie genau eine der drei Leistungen ab:

  • ein strukturiertes Ersteinschätzungsverfahren, oder
  • eine Videosprechstunde, oder
  • ein strukturiertes Ersteinschätzungsverfahren und eine Videosprechstunde.

Sonderkennzeichen (01.07.2026 – 30.06.2027)

LeistungSonderkennzeichen
Nur strukturierte Ersteinschätzung19816313
Nur Videosprechstunde (z. B. bekannte Praxis)19816336
Ersteinschätzung + Videosprechstunde19816342

Die Variante „nur Videosprechstunde“ (19816336) greift, wenn die versicherte Person eine Videosprechstunde bei einer Praxis wahrnimmt, die sie kennt: Sie hatte dort in den letzten vier Quartalen, das laufende eingeschlossen, persönlichen Arztkontakt (Anlage 31c BMV-Ä). Dann ist keine strukturierte Ersteinschätzung vorgesehen. Ihr Team bereitet die Videosprechstunde technisch vor und hilft bei Bedarf. Abrechenbar ist der Fall, wenn die Videosprechstunde stattgefunden hat und eine Teilnahmevoraussetzung vorliegt. Am DoctorBox Care Tablet kommt dafür ein eigener Ablauf mit einem der nächsten Updates; bis dahin beginnt dort jeder Fall gesetzlich Versicherter mit der strukturierten Ersteinschätzung.

Abrechnungsweg: Sonderbeleg, dann elektronisch

Zunächst erfolgt die Abrechnung über einen Sonderbeleg (Apothekenbeleg) in schwarzer Schrift. Diese Papier-Variante gilt bis spätestens 28.02.2027; ab dem 01.03.2027 wird elektronisch abgerechnet. Liegen die technischen Voraussetzungen früher vor, kann die elektronische Abrechnung auch vorher genutzt werden. Für PKV-Versicherte bleibt die Abrechnung per Papierbeleg möglich.

Auf dem Sonderbeleg werden u. a. Krankenkasse/Kostenträger, Versichertendaten von der eGK, Kostenträgerkennung und das Statusfeld mit dem Vertragskennzeichen „83“ aufgedruckt. Betriebsstättennummer (BSNR) und Arztnummer (LANR) können mit 9x0 (000000000) bedruckt werden.

Voraussetzungen kurz zusammengefasst

  • Vertraulicher Raum in den Betriebsräumen (kein Mithören/Einsehen).
  • Geeignete, datenschutzkonforme Technik (siehe Technikleitfaden).
  • Eingewiesenes Personal (Nachweis z. B. über das QMS).
  • Beitritt zum Rahmenvertrag bzw. Meldung zum Apothekenverzeichnis.

Wie sich die Pauschale für Ihren Standort rechnet, zeigt unser Wirtschaftlichkeitsrechner — inklusive der vollständigen Degression.

Zum Wirtschaftlichkeitsrechner

Angaben nach den ABDA-/DAV-Arbeitsmaterialien zur assistierten Telemedizin (Stand 09.06.2026) sowie § 129 Abs. 5h SGB V. Keine Rechtsberatung — maßgeblich sind die offiziellen Dokumente.

Häufige Fragen

Ist die aTM-Pauschale umsatzsteuerpflichtig?

Die Vertragspartner gehen übereinstimmend davon aus, dass die Vergütung nicht der Umsatzsteuer unterliegt (Anlage 13 § 10 Abs. 4). Das ist eine gemeinsame Annahme, keine Feststellung der Finanzverwaltung.

Wie hoch ist die Pauschale ab 2029?

Ab dem 1. Juli 2029 beträgt die Pauschale 21,50 € je Leistung. Davor: 30,00 € (2026/27), 25,50 € (2027/28), 23,00 € (2028/29).

Ab wann wird elektronisch abgerechnet?

Spätestens ab dem 1. März 2027. Bis dahin (bzw. bei fehlenden technischen Voraussetzungen) erfolgt die Abrechnung über einen Sonderbeleg.